Fast gescheitert, dann Sieger
Er war zum vierten Mal in Waging am Start, aber noch nie so erfolgreich wie dieses Mal: Jochen Bertsch vom TuS Mannheim. Der 27-Jährige, an eins gesetzt, holte sich im Jubiläumsjahr des Wettbewerbs den 50. Waginger See-Pokal im Tennis. Mit 6:3, 2:6, 6:1 besiegte er den ungesetzten und zehn Jahre jüngeren Timo Meyer und wehrte den Angriff der Jugend erfolgreich ab. Meyer vom TSV Haar trainiert beim Bayerischen Tennisverband (BTV) in der Tennisbase in Oberhaching und lieferte einen großen Kampf, den aber Bertsch für sich entschied, nachdem er im Vorjahr im Finale an Kai Lemstra (Schießgraben Augsburg) in zwei Sätzen gescheitert war.
»Ich bin sehr glücklich. Waging ist erstmals ein A2-Turnier geworden, da gibt es mehr Preisgeld und es hat geklappt«, sagte Bertsch, der um Haaresbreite in Runde eins gescheitert wäre. Da lag er gegen Ivan Melnik (ebenfalls Schießgraben Augsburg) mit 0:6, 6:3, 5:8 zurück, zog aber noch mit 10:8 ins Achtelfinale ein.
Dann marschierte die Nummer 31 der deutschen Herren-Rangliste durch: 6:2, 6:4 gegen Michael Sperl (Rot-Weiß Cham), 6:1, 6:2 gegen die große heimische Hoffnung Florian Walcher (Achental Grassau) und 7:6, 6:3 gegen den an drei gesetzten Marwin Elias Kralemann (TC Hiltrup). Meyer, im Vorjahr noch mit einer Wildcard ins Feld gekommen, steht im Ranking des Deutschen Tennisbundes (DTB) an 178. Stelle. Der BTV-Mann hatte es nur mit besseren Spielern zu tun, besiegte der Reihe nach Samuel Braun (TC Friedberg/DTB 142) mit 6:1, 6:2, den an vier gesetzten Leo Pade, seinen Teamkollegen aus Haar (DTB 112) mit 7:6, 3:6, 10:5, den an fünf gesetzten Mike Stieler (TC Göppingen/DTB 110) mit 6:4, 6:0 und schließlich den an zwei gesetzten Niklas Niggemann (TC Hiltrup/DTB 85) mit 6:4, 6:4. Für seine Leistung wurde Meyer mit 1200 Euro aus dem mit 7500 Euro vollen Preisgeld-Topf belohnt. Sieger Bertsch nahm 2400 Euro mit.
Kurios: In der Liga spielten die beiden Finalisten höchst unterschiedlich. Bertsch schlug für Mannheim in der Regionalliga Südwest auf, spielte an den Positionen drei und vier und gewann nur ein Match bei sechs Niederlagen. Dass er dennoch die Nummer 31 im deutschen Ranking ist, hat er seinen Winter-Auftritten zu verdanken, wo er zwei A2-Turniere gewonnen hat. Meyer gewann alle Liga-Spiele für den TSV Haar, spielte aber auch nur in der Landesliga 2 an den Positionen vier und fünf. Seine 6:0-Bilanz verhalf dem Team zur Meisterschaft und zum Aufstieg in die Landesliga 1.
Große heimische Hoffnung war Maximilian Erhardt vom TC Übersee. Aber für die Nummer sieben des Turniers und 120 im DTB-Ranking war im Viertelfinale Endstation. Kralemann, an drei gesetzt (DTB 96), hatte immer die bessere Antwort und siegte mit 6:3, 6:0. Trotzdem war es für Erhardt eine Steigerung in Waging, denn im Vorjahr hatte er Auslosungspech. Der 19-Jährige unterlag in Runde eins dem späteren Sieger Lemstra.
»Bis auf das Wetter hat alles gepasst, etwas mehr Qualität wäre schön gewesen, weil wir erstmals in den 50 Jahren 7500 Euro Preisgeld statt wie bisher 5000 ausschütten konnten«, resümierte Turnierdirektor Ludwig Kleißl. Die Halbfinals am Samstag mussten in der Halle nebenan gespielt werden. Alle anderen Runden, wie das Finale vor 130 Zuschauern, wurden auf Sand im Freien gespielt. Immer wieder mussten allerdings Regenpausen eingelegt werden, Platzwart Bernd Ertl und sein Team waren extrem gefordert.
Einen ruhigen Job hatten die Unparteiischen zu verrichten. Andreas Spitz aus Würzburg als Oberschiedsrichter lobte das faire Verhalten aller Aktiven, und Stuhlschiedsrichterin Eva Wagner aus Marquartstein hatte beim Endspiel keine Probleme. Viel zu tun gab es allerdings für Physiotherapeutin Anna Reisenauer, die pausenlos im Einsatz war – bei den bescheidenen Temperaturen auch kein Wunder. Fortgesetzt aber wurde die Tradition, dass ein deutscher Spieler den See-Pokal holt. Der letzte Sieger nicht vom DTB war Jan Poskocil aus Österreich 2016. kk
